Erkältung oder Grippe: Die entscheidenden Unterschiede.

30. Oktober 2020

Noch Erkältung oder schon eine Grippe

Haben Sie auch schon einmal den Satz gehört: „Ich habe die Grippe!“? Stand diese Person hüstelnd und schniefend, aber trotzdem einigermaßen munter vor Ihnen? Dann war es vermutlich keine Grippe! Der Begriff hat sich umgangssprachlich für sämtliche Atemwegsinfekte eingebürgert. Was uns aber besonders in der Winterzeit regelmäßig ereilt und was wir „Erkältung“ nennen, ist ein grippaler Infekt. Ein entscheidender Unterschied, denn hinter einer echten Grippe versteckt sich eine ernste Viruserkrankung, die in Extremfall lebensbedrohlich sein kann. 

Es gibt rund 200 Viren die Erkältungen auslösen können (1). Bekannte Vertreter sind u. a.

  • Parainfluenza-Viren,
  • Adeno-Viren (2),
  • Coxsackie-Viren (3).

Wenn Sie sich mit diesen Viren infizieren, verspüren Sie nach einiger Zeit die ebenso typischen wie ungeliebten Symptome Husten, Heiserkeit, Schnupfen oder Halsschmerzen. Bei jedem Menschen treten diese Beschwerden in unterschiedlicher Kombination auf; teilweise auch nur vereinzelt (1).

Grippe: Schlagartiger Beginn und hohes Fieber

Typisch für eine Erkältung ist der schleichende Beginn. Heute verspüren Sie ein leichtes Halskratzen, morgen kommt Husten dazu und überborgen schmerzt der Hals. Das ist bei einer Grippe anders. Diese tritt schlagartig auf. Innerhalb von Stunden leiden Sie unter hohem Fieber, Abgeschlagenheit und starken Kopf- bzw. Gliederschmerzen. Bei einer gewöhnlichen Erkältung hingegen klettert die Temperatur nur leicht über das normale Maß hinaus (1). Schüttelfrost tritt ebenfalls eher bei einer Grippe als bei einer schlichten Erkältung auf (4). Bedenken Sie aber, dass die Symptome nicht immer eindeutig sind. 

Ein alter und schwacher Mensch leidet unter Umständen mehr unter einer Erkältung als eine junge und trainierte Person unter einer Grippe. In aller Regel verläuft eine Grippe aber viel heftiger.  

Unterschiedliche Erreger – gleiche Ansteckung

Während die Erkältung wie eingangs erwähnt durch eine Vielzahl von Viren ausgelöst wird, steckt hinter einer echten Grippe das Influenza-Virus (4) – auch als Grippe-Virus bezeichnet. Es gibt verschiedene Unterformen, z. B. Influenza-Virus Typ A oder Typ B (5). Zwar unterscheiden sich Symptome und Erreger – die Art der Übertragung ist aber bei Erkältungen und einer Grippe identisch! Beides wird durch Tröpfcheninfektion verbreitet (4) (5) (6).

Etwa 80 Prozent aller ansteckenden Krankheiten – so auch Erkältungen und die Grippe – werden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch Händeschütteln verbreitet (7)! Regelmäßiges Händewaschen schützt vor Erkältungen UND einer Grippe (8)!

Die Unterschiede auf einen Blick

 ErkältungGrippe
Erreger Erkältungsviren (z. B. Parainfluenza- Entero- oder Coxsackie-Viren) (3)Influenza-Virus (Grippe-Virus) (4)
AnsteckungsartTröpfcheninfektion (5)Tröpfcheninfektion (5) 
Inkubationszeit8 – 18 Stunden (9)1 – 3 Tage (9)
Symptomatik
  • Schnupfen
  • Husten (häufig mit Schleim)
  • Halsweh
  • Erhöhte Temperatur (bei Kindern häufiger Fieber) (9)
  • Von Anfang an hohes Fieber bis 40°C
  • Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen
  • Starke Muskel-/Gliederschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Trockener Husten
  • Schnupfen (9)
Verlauf
  • Schleichender Beginn über Tage hinweg
  • Meist mild verlaufend
  • Verheilt meist selbst (9)
  • Plötzlicher Beginn der Beschwerden
  • Schwerer Verlauf
  • Bettlägerigkeit
  • Meist komplikationslos ausheilend (9)
Mögliche Komplikationen
  • Mittelohrentzündung
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Lungenentzündung
  • Pseudokrupp (bei Kindern)
  • Herzmuskelentzündung (selten) (9)
  • Zusätzlicher Bakterienbefall (Superinfektion)
  • Schwere Lungenentzündung mit Abszess-Bildung
  • Herzbeutelentzündung
  • Herzmuskelentzündung
  • Hirnhautentzündung (selten) (9)
Diagnose
  • Anhand der Symptome
  • Bei Kindern ggfls. weitere Untersuchungen (10)
  • Erregernachweis (z. B. durch Nasenabstrich) (12)
Therapie
  • Behandlung der Symptome (10)
  • Behandlung der Symptome
  • Bei kritischem Verlauf oder Risikopatienten: Virostatika (Medikamente gegen Viren) (13)
Vorbeugen
  • Händehygiene (8)
  • Gesunde Ernährung (11)
  • Viel Trinken (11)
  • Händehygiene
  • Impfung

 

Abschließend noch eine wichtige Anmerkung:

Kälte ist nie der direkte Auslöser von Erkältungen oder einer Grippe (6)!

 

Referenzen
(1) Manych M, Vogel G. Stark – Unser Immunsystem. TRIAS, 2010, Seite 85 (link
(2) Schweitzer R. Infektionskrankheiten mit Infektionsschutzgesetz (IfGS), 3. Auflage, Elsevier, München, 2018, Seite 12 (link
(3) Hahn H, Falke D, Kaufmann SHE, Ullmann U. Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 3., komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 1999, Seite 537 (link
(4) Darai G, Handermann M, Sonntag HG, Tidona CA, Zöller L. Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. 3., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2009, Seite 443 (link)
(5) Dülligen M, Kirov A, Unverricht H. Hygiene und medizinische Mikrobiologie. 7., vollständig überarbeitete Auflage, Schattauer GmbH, Stuttgart, 2017, Seite 114 (link)
(6) Bühring U, Ell-Beiser H, Girsch M. Heilpflanzen in der Kinderheilkunde. 2., unveränderte Auflage, Haug, 2012, Seite 124 (link
(7) Schultz S. Kampf den Keimen & Co.! Wie Sie mit der richtigen Händehygiene Infektionen vorbeugen. GRIN-Verlag, 2018 
(8) Schulz-Stübner S. Hygiene und Infektionsprävention. Fragen und Antworten. 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2015, Seite 151 (link)
(9) Kroegel C, Costabel U. Klinische Pneumologie. Thieme-Verlag, 2013 (link)
(10) Götte K, Nicolai T. Pädiatrische HNO-Heilkunde. 2. Auflage, Elsevier GmbH, München, 2019, Seite 371 (link
(11) Magna Tors E. Gesund durch den Winter. neobooks, 2014 (link)
(12) Lungeninformationsdienst, Abrufdatum: 11.02.2019 (link
(13) Robert-Koch-Institut, Abrufdatum: 11.20.2019 (link